Presseklatsch
31.05.2005





Kölner Stadtanzeiger, 31.05.2005

Tango der seltsamen Vorlieben

"SixPänz" sangen vor ausverkauftem Haus Menden

Gefesselt waren die Besucher auch von der Kunst der Vokal-Truppe.

VON MICHAEL HOCHHEUSER

Sankt Augustin Der Lambada war es, der Twist oder noch früher der Charleston. Möglicherweise werden die Massen demnächst einem neuem Modetanz huldigen, den das A-cappella-Ensemble "SixPänz" im Haus Menden vorstellte: dem "Sado-Maso-Tango". Nach dem Motto "Mit dir werden Minuten zu Stunden", berichtete das Sextett über merkwürdige Vorlieben wie mehrtägiges Gefesseltsein an die Heizung.

Gefesselt waren auch die Zuhörer im ausverkauften Saal von der Sangeskunst der Vokal-Truppe, die vor gut zehn Jahren aus dem Jungen Schauspiel Sankt Augustin hervorging. Susanne Karsten (Sopran), Stephanie Baudler (Sopran), Kirstin Krässel (Alt), Thomas Glatzel (Tenor), Jochen Dekker und Holger Jordan (beide Bass) stellten im Rahmen des Sankt Augustiner Mais an zwei Abenden ihr neues Programm "A-cappella à la carte" vor. Beidseits der Bühne waren festlich geschmückte Tische hergerichtet, so dass sich die Zuhörer in ein Feinschmeckerlokal versetzt sahen.

Für Gourmets ausgereiften Gesangs geriet eine ganze Reihe der vorgestellten Lieder zum Ohrenschmaus.

Kulinarisches Thema

So ein eingedeutschtes "Something Stupid" von Frank und Nancy Sinatra oder Glatzels Eigenkomposition "Holland ist in Not" mit den einleitenden Versen "Die Käsepreise sinken, der Wasserspiegel steigt", zu denen die sechs Sänger parallel Paddelbewegungen vollführten und mit einem kollektiven "Blubb-blubb-blubb" und zugehaltenen Nasen schlossen. Das übergreifende kulinarische Thema zelebrierten SixPänz in den ebenso humorvollen Zwischenmoderationen - in puncto Holland etwa anhand der Speisenvielfalt, die dieses kleine Land hervorgebracht habe wie die "Treibhaus-Tomate" oder die indonesische Reistafel. Zugute kam der Sangesgruppe dabei die kabarettistische Erfahrung, die einige der Akteure haben.

Zu einem Höhepunkt geriet ein eigentlich etwas ausgelutschter A-cappella-Dauerbrenner, Bobby McFerrins "Don`t worry, be happy", dem SixPänz durch ihre Interpretation neue Facetten abgewinnen konnten. Standen bei den ersten Takten alle Sängerinnen und Sänger gleich Trauerklößen auf den Bühnenbrettern, gerieten sie aufgemuntert durch die optimistisch stimmenden Worte nach und nach in Bewegung, um bizarre Tanzstile zu demonstrieren - ein hübscher Einfall, der für viel Gelächter sorgte. Schwieriger, als sechsfachen Wohlklang zu erzeugen, war es für das Ensemble, die Contenance zu bewahren bei nahezu tropischen Temperaturen im Haus Menden. "Wir haben unsere Kleider im März gekauft - die sind aus purem Plastik", war den Sängerinnen das Mitleid aller sicher.