Presseklatsch
30.11.2001





General-Anzeiger, 30.11.2001

Trauermarsch a-cappella für die Deutsche Mark

INFO-SHOW Mit Kabarett und den SixPänz macht die Steyler Bank 150 Zuhörern den Euro schmackhaft. Launische Zwiegespräche statt trockener Zahlen im Augustiner Haus Völker und Kulturen

Sankt Augustin Prustend und in Taschentücher schniefend kommen sie auf die Bühne. Eigentlich wollten die SixPänz ein Loblied ansummen. Doch gezeichnet von der Trauer, intonierte die sechsköpfige A-cappella-Formation Chopins Trauer-Marsch zum Start der "Ultimativen Euro-Info-Show" im Augustiner Haus Völker und Kulturen.

Die Trauer galt "jemanden, der uns so ans Herz gewachsen, 1948 geboren und im besten Alter von 53 Jahren von uns gegangen ist", sagte Jürgen Welzel, Marketingleiter der Augustiner Steyler Bank. "Jetzt wirst du zerschrödert und wie eine faule Eichel fallen gelassen". Die Rede ist von der Mark, jener Währung, die über kurz oder läng keinen Pfennig mehr wert ist. Die Zuhörer waren gekommen, um sich über die neue Währung zu informieren - den Euro.

Statt trockener Zahlen wählten die Banker das launische Zwiegespräch, als Präsentationsform. Welzel, studierter Theaterwissenschaftler und als langjähriger Leiter des Jungen Schauspiels kabarett-erprobt, brillierte in der Rolle des "kölschen Euroskeptikers". Ihm ins Wort fiel immer wieder Thomas Kohrs, Filialleiter der Bank, dem der sachliche Teil oblag.

"Als rheinischer Katholik frage ich mich, ob die D-Mark in den Himmel kommt?" Die kleinen Pfennige säßen ganz nah am Thron des Herrgotts, während die Tausendmarkscheine am Schluss der Reihe Platz nehmen müssten. "Euch habe ich in der Kirche nie gesehen, die Pfennige hingegen jede Woche", lautet das göttliche Urteil. Der Tränen entledigt, sangen die SixPänz - Susanne Karsten und Stephanie Baudler als Sopran, Kirstin Krässel (Alt), Thomas Glatzel (Tenor), Jochen Dekker und Holger Jordan (Bass) - die Eurovisions-Melodie. Die kam mal schwingend als Euro-Techno, oder als schrilles Kinderlied daher. Wer Euro im Portemonnaie trage, müsse sich wegen der neuen Größe der Scheine nicht nur einen neuen Geldbeutel kaufen, sondern auch Lupe, UV- und Infrarotlampe zulegen, um die Sicherheitsmerkmale zu erkennen. "Verlangen sie im Laden immer eine Steckdose und bestehen sie auf Verdunkelung", so Welzel.

"Mit dem Euro müssen sich die Deutschen vom Papiergeld verabschieden", erzählte Kohrs; Grund: Die Scheine bestehen aus Baumwollfasem, die zu Baumwollpapier verarbeitet werden. Einen praktischen Nutzen konnte auch Euroskeptiker Welzel dem neuen Geld abgewinnen. "Der Euronormalverbraucher weiß jetzt, dass der Kaffee in Paris drei Mal so teuer ist wie auf dem Petersplatz, wo er wiederum zwei Mal soviel kostet wie auf dem Karl-Gatzweiler-Platz." Gut sei der Euro auch für Parksünder. Da der Strafzettel 40 Euro statt 80 Mark kostet, seien dies 2,2 Prozent Rabatt. "Wer elf Knöllchen für 75 Mark sammelt, bekommt das Zwölfte gratis." Schlimmer sei der Verlust der Mark im allgemeinen Sprachgebrauch: Aus Brechts Dreigroschenoper werde die "15,338-Cent-Oper" und der "Centfuchser" sei doppelt so großzügig, wie derjenige, der Pfennige rafft.

Eher im Kabarett, als bei der Präsentation einer Bank wähnten sich die Zuschauer, die Tränen lachten. Auch die Botschaft der Six-Pänz "Aber bitte mit Euro" - zur Melodie des Udo Jürgens-Liedes von der Sahne - kam bestens an. Denn nach dem Programm drückten sich die "Euronormalverbraucher" an der Vitrine die Nase platt, in der die neue Wahrung auslag.